GERRIT KERSTEN-THIELE: „DAS HAT AUSWIRKUNGEN!“

Foto: Christian Becker
(5.2.2026) RASTA Vechtas Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele (45) spricht im Interview über die aktuelle Situation des Klubs in der easyCredit Basketball Bundesliga. Am Sonntag (15 Uhr, live bei Dyn) spielt die Mannschaft von Head Coach Christian Held (37) beim Tabellenzweiten ALBA BERLIN.
RASTA Vechta: Gerrit, der Abschluss der Hinrunde in der easyCredit Basketball Bundesliga fiel für uns in eine Englische Woche. War nach diesen drei Spielen in sieben Tagen Zeit für eine Analyse?
Gerrit Kersten-Thiele: „Wir analysieren unsere sportliche Situation nicht nur alle paar Wochen sondern laufend, praktisch im täglichen Austausch. Das passiert sehr selbstkritisch, auf allen Ebenen. Aktuell stehen wir nicht dort, wo wir hinwollen. Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir Platz 10, also die Qualifikation für die Play-Ins, anvisieren wollen. Jetzt ist es so, dass wir uns im Abstiegskampf befinden. Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass wir aktuell viele Baustellen haben.“
RV: Eine Baustelle, die geschlossen schien, scheint immer noch Probleme zu bereiten - Stichwort: Verletzungen.
GKT: „Wir sind erfolgreich in die Saison gestartet, haben acht unserer ersten neun Pflichtspiele gewonnen, wir haben uns für die Gruppenphase im FIBA Europe Cup und für das BBL Pokal-Viertelfinale qualifiziert. Diese ersten Wochen in der Saison waren gut, der Prozess war in Gang gesetzt worden. Dann aber sind uns für einen langen Zeitraum Leistungsträger verloren gegangen. Das Verletzungspech hat wirklich hart zugeschlagen - und das hat Auswirkungen.“
RV: Aber jetzt sind ja alle Spieler wieder im Kader.
GKT: „Ja, das ist glücklicherweise so. Wenn aber zwei, drei sehr wichtige Spieler in einer Basketballmannschaft über einen längeren Zeitraum im Herbst fehlen, dann bereitet dir das nicht nur Probleme in den Spielen, sondern auch im Training. Im Herbst ist eine Mannschaft natürlich immer noch dabei, sich zu finden, es ist eben der gerade schon erwähnte Prozess. Der Coaching Staff will das Team entwickeln, damit es Schritt für Schritt besser wird. Und in der Phase kam es zu langfristigen Ausfällen. Mit über einen so langen Zeitraum fehlenden Leistungsträgern ist das eine Mammutaufgabe. Jetzt sind alle wieder im Kader, aber die Nachwirkungen sind noch da. Die Mannschaft ist weiter dabei, sich zu finden, weil sie es vorher ja noch gar nicht vollends konnte.“
RV: Auffällig war, dass im Herbst viele Spiele knapp verloren wurden.
GKT: „Ja, wir haben von diesen Spielen sieben mit vier oder weniger Punkten Differenz verloren. Das heißt nicht weniger, als dass wir in jedem dieser Spiele, trotz dieser großen Verletzungsprobleme, konkurrenzfähig waren und genauso gut hätten gewinnen können - teilweise sogar auch müssen. Aber da haben wir in den entscheidenden Situationen auch mal den Kopf verloren. Darüber ist uns auch so ein bisschen das Selbstvertrauen, was wir am Anfang der Saison hatten, verloren gegangen.“
RV: Wenn positive Ergebnisse ausbleiben, wird nicht selten die Person des Head Coaches in Frage gestellt.
GKT: „Der Head Coach steht ja immer besonders im Fokus, weil er letztlich die Verantwortung für das hat, was auf dem Platz passiert. Man darf das aber nicht so kurz denken, dass ein Trainer alleine über Wohl und Wehe entscheidet. Da spielen schon mehrere Faktoren rein. Ich sehe hier bei uns jedenfalls die tägliche Arbeit des Coaching Staffs mit der Mannschaft, wie kommuniziert wird, welche Analysen angestellt werden. Das passiert alles sehr transparent und ehrlich. Wir haben Christian Held im Sommer geholt und mit ihm einen Dreijahresvertrag geschlossen, weil wir gemeinsam etwas entwickeln wollen. Gerade im Basketball wird oftmals über mangelnde Kontinuität gesprochen. Wenn man die Möglichkeit hat, einen zu RASTA passenden Trainer mittelfristig an den Klub zu binden, sollte man dies als Chance sehen, nicht als Risiko - und das haben wir getan.“
RV: Was die Mannschaft in vielen Spielen in dieser Saison getan hat, so auch am Samstag gegen Frankfurt, war, dass sie gekämpft hat.
GKT: „Absolut richtig. Und ich finde auch nicht, dass das gegen die SKYLINERS der Mut der Verzweiflung war, sondern, dass die Mannschaft eben bei sich geblieben ist und ihre Qualitäten gezeigt hat. Sie hat sich nicht ergeben, sondern vor den eigenen Fans, die am Samstag super unterstützt haben, ihre Chance gesucht und beinahe noch den Rückstand komplett aufgeholt. Das, was die Mannschaft da im 4. Viertel gezeigt hat, diesen Fokus, diesen Willen und das Selbstvertrauen, ist das, was wir jetzt konstant aufs Parkett bringen müssen.“
RV: Denkst Du daran, die Mannschaft noch zu verstärken?
GKT: „Wir beobachten den Spielermarkt durchgehend. Wenn man nachverpflichtet, möchte man jemanden ins Team aufnehmen, der, wenn er eben nicht nur dafür da sein soll, temporär auszuhelfen, wirklich eine Verstärkung ist. Wenn sich diese Möglichkeit ergeben sollte, so jemanden verpflichten zu können, dann werden wir das diskutieren.“
RV: Vor der Länderspielpause stehen noch die Spiele bei ALBA BERLIN, dann Zuhause gegen Vizemeister ratiopharm ulm, gefolgt vom Auswärtsspiel bei den Telekom Baskets Bonn, dem Fünften, an.
GKT: „Da liegen definitiv große Herausforderungen vor uns. Wichtig ist, dass wir mit dem notwendigen Fokus und Willen in jedes Spiel gehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir in diesem Kader die Qualität haben, um in jedes Spiel mit dem Gedanken an den Sieg gehen zu können. Und ich weiß auch, dass das Team vom Coaching Staff gut auf die Spiele vorbereitet wird. Wir alle wollen wieder Spiele gewinnen und ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.“
RASTA Vechta - 2025/2026 - Der Kader
Spieler: TJ Bamba (Guard/Forward, 25, USA), Tevin Brown (Guard/Forward, 27, USA), Booker Coplin (Guard, 28, USA), Dominik Dolic (Guard, 19, HRV/D), Joschka Ferner (Forward, 30, D), Philipp Herkenhoff (Forward, 26, D), Roy Krupnikas (Guard, 19, D), Tommy Kuhse (Guard, 28, USA), Fynn Lastring (Center, 18, D), Elijah Ndi (Forward, 21, D), Lloyd Pandi (Guard, 26, CAN), Tibor Pleiß (Center, 36, D), Linus Ruf (Center, 20, D), Luc van Slooten (Forward, 23, D), Lars Thiemann (Center, 25, D), Linus Trettin (Forward, 20, D), Alonzo Verge (Guard, 27, USA). Head Coach: Christian Held (37, D). Assistant Coaches: Miguel Zapata (45, ESP) und Marius Graf (34, D).
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